Logo Hochschule Luzern Design & Kunst

Subscribe newsletter

We will inform you about CA twice a year Plus 5 – 8 event announcements per year

Curating Realities

Redaktioneller Beitrag in Visarte

Camera Arts-Projekt «Talking Images»

Im Jahre 2012 wurden auf der Foto-webseite Flickr fast 518 Millionen Bilder hochgeladen. Das entspricht ungefähr 1.42 Millionen Bild-Uploads pro Tag. Im Kontext der mobil-medialen Informationsökonomie – von multi-funktionalen Kameras in Smartphones bis Apps und Social Media – ist das gegenwärtige Bild ‚digital born’ und ermöglicht somit einen äusserst flexiblen Umgang. Noch nie hat die Menschheit sich in einem solch grossen Ausmass mit der visuellen Repräsentation von sich und seiner Umwelt beschäftigt. Obwohl die Grosskonzerne der Internetmedien digitale Anwendungsarten der Benutzer umfassend steuern und an jedem Click verdienen, ist die Herstellung, Verbreitung und Nutzung von visuelle Medien weitgehend demokratisiert. Diese Entwicklung hat die Rolle und Bedeutung der professionellen Fotografie stark verändert sowie ihre einst statthafte Position herausgefordert. Amateurfotografie vermischt sich mit Kunstfotografie und Leser-Reporter ersetzen oft die ehemalige Pressefotografen.

Durch zunehmende Medienkonvergenz entstehen im professionellen Bereich der Visuellen Medien auch neue Potentiale und Verwertungskontexte. Auf dem Markt sind neue professionelle Identitäten gefragt die sich entlang des transmediales Erzählens orientieren. Ein Experimentierfeld entfaltet sich an der Schnittstelle künstlerischer Perspektive, Editorial Design, visuell-fotografische Produktionen, Ton und Film sowie Online Interaktion.

Die gegenwärtige E-Kultur bietet viel Erregung sowie unlimitierte Vernetzungsmöglichkeiten. In dieser Euphorie fehlt es aber an Bewertungskriterien um den Sinn und Zweck für die Menschen zu evaluieren. Genau in dem Moment wo die digital-technologischen Errungenschaften sich manifestieren und nach zwei Dezennien «Hyper-Kultur» – worin Repräsentationen grosse Gewichtung in der Gesellschaft bekommen haben – erzeugen die aktuellen Krisen (ökologischer, ökonomischer, sozial-politischer Natur usw.) ein latentes Bedürfnis nach alternativen Vorstellungen und die Notwendigkeit für einen Perspektiv-Wechsel. Die Gestaltungsdisziplinen, entstanden im fossilbasierten zwanzigsten Jahrhundert, sind in eine Erklärungsnot geraten und müssen nach anderen Lösungsansätzen forschen. Bilder haben eine transformierende Wirkung. Sie generieren Vorstellungen und durch bestimmte Ansichten entstehen gewisse Bildarten. Die Kunst sowie das Design haben das Vermögen, den Menschen alternative Vorstellungen, beziehungsweise Funktionalitäten und Verwertungskontexten vorzuschlagen.

Hier setzt «Camera Arts» an. Seit September 2012 bietet die Hochschule Luzern, Design & Kunst eine neue transdisziplinäre Studienrichtung zur «Expanded Photography» und «Transmedia Storytelling» an. Mittels Fotografie und visueller Medien arbeiten Studierende an gesellschaftlich relevanten Themen in vier professionellen Feldern: «Photography & Arts», «Editorial Photography & Media Design», «Visual Narratives & Transmedia Story-telling» und «Communities & E-Culture». Während ihrer künstlerischen und gestalterischen Prozesse werden die Studierenden herausgefordert, anhand ihrer visuellen Strategien Fragen zur gesellschaftlichen Bedeutung und Wertschöpfung zu stellen. Diese lassen sich nicht mit Standardrezepten beantworten, da die Kontexte und Komplexitäten der Welt zu vielfältig sind und auch das qualitative Bild mit weiteren Zeichen und Symbolen in einer medialen Ökologie koexistieren. ‚Qualitative‘ Bilder wirken als «soziale Währung» (social currency) und schaffen Relevanz in der Öffentlichkeitsdebatte weil «sie wissen worüber sie ‚sprechen‘» oder den Betrachter berühren.
Evert Ypma, Studienleiter Camera Arts

Dieser Beitrag erschien im Januar 2013 im Schweizer Magazine «Visarte»

By browsing our website, you agree to us using cookies, read here for more information.

Ok